Malerei und Grafik


Bilder: © Benno Walldorf: Kleines Blumenbild, 60x40 cm; Öl auf Holz;  Früchtestillleben, 60x60 cm, Öl auf Leinwand; Stillleben mit Banjo, 1965, 73x60 cm 1965; Privatsammlungen, VG Bild-Kunst, Bonn.


Malerei und Grafik


"Seit 1953 etwa entstehen regelmäßig Karos und auch zebraartige Streifen in meinen Bildern, denn mich fasziniert am Schwarz-weiß-Karo seine Regelmäßigkeit und unbedingte Verläßlichkeit als Ornament." (E. Walldorf 2003: 276f.). Wir wissen auch, dass Benno Walldorf sich von barocken Stillleben beeinflussen ließ, wie z. B. denjenigen von Lubin Baugin (ca. 1610-1663), die er im Louvre sah: „Die fünf Sinne“ oder „Der Nachtisch“. Dort erscheinen sowohl das Schachbrettmuster als auch Flaschen und Teller.

Die tief leuchtenden frühen Ölgemälde machen mit der Zeit einer fast pop-art-haftigen Farbigkeit Platz, werden „heller“ und „klarer“. Hier kam die Technik der Serigraphie Benno Walldorfs Vorstellung von Farbigkeit sehr entgegen. Es entstanden nicht nur Einzelgraphiken, sondern auch Mappenwerke, insbesondere die Mappe „Zirkus“ mit sieben Motiven, die seine Kindheitserinnerungen an den Zirkus wieder aufnehmen und die mit Titeln bekannter Jazzstücke versehen sind. Nun erscheinen auch Tiere, die, wie die Kunsthistorikerin Esther Walldorf bemerkt, „ohne Dressur spielerisch und mit größter Leichtigkeit phantastische Kunststücke vorführen (E. Walldorf 2003: 290). Es sind Zebras, Kamele und … Elefanten, die neben den Stühlen sicher ein weiteres Erkennungsmerkmal der Motivik Benno Walldorfs darstellen. Auch hier trägt seine Faszination für den „Gegenstand“ und seine Gestaltungsmöglichkeiten, die er in schöpferischer Freiheit direkt aus der gegebenen Form herleitet. Eine Elefantensammlung gibt auch hiervon Zeugnis, sowie der Name seiner Bad Homburger Galerie. 


Einen wichtigen Platz in Benno Walldorfs Werk nehmen die Wandgemälde ein. Unter dem Stichwort „Kunst am Bau“, nicht zuletzt durch das Bestreben der sozialliberalen Regierungskoalition ab 1968, werden planmäßig Gebäude mit Skulpturen, Reliefs und Wandgemälden versehen. Benno Walldorf erhält Aufträge u.a. in der Universität Konstanz, im öffentlichen Durchgang des mittlerweile zugunsten der „Neuen Altstadt“ abgerissenen Technischen Rathauses in Frankfurt am Main und im Westbad seiner Heimatstadt Gießen. Die Zerstörung dieser sieben Wandgemälde im Sommer 2019 anlässlich einer „Renovierung“ stellt einen unwiederbringlichen Verlust - in erster Linie für die Bevölkerung der Stadt Gießen - dar, die dadurch ein „Identitätszeichen“ weniger besitzt. Die Wandgemälde des Technischen Rathauses können dagegen im zweiten Untergeschoss des Parkhauses am Römer zumindest teilweise besichtigt werden, ein Geheimtipp für Stadtführungen. 


Für eine ausführliche Würdigung, Interpretation und Diskussion der Malerei und Grafik Benno Walldorfs, s. Walldorf, Esther (2003), „Happy Again - but the Blues?“, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 69, S. 269-290, insbes. S. 276ff. 


Jedem Betrachter fällt als erstes die Farbigkeit der Bilder Benno Walldorfs auf. Beim näheren Hinsehen weisen die Farbflächen Strukturen, nicht selten ein leichtes Relief auf; insofern ist seine Malerei fast plastisch zu nennen. Auf den ersten Blick strahlen sie Fröhlichkeit und Lebensfreude aus, auf den zweiten laden sie ein zum intensiven Betrachten. Sie öffnen für uns Räume, Interieurs oder Landschaften, die bestückt sind mit den Gegenständen unserer Alltagswelt, welche wir wiedererkennen und gleichzeitig in völlig neuer Weise wahrnehmen. 


“Als „Maler der Dinge“ wurde Benno Walldorf vor allem in den Texten Fritz Usingers bezeichnet […]. Stilleben, Interieurs und Landschaften sind die Ausgangspunkte seiner Kompositionen. Die gegenständliche Malerei vertretend, wurde er jedoch als ein Künstler verstanden, dem es nicht um die reine Abbildung der Dinge gehe. Die Gegenstände, die man in Benno Walldorfs Bildern findet, werden vom Betrachter als alltägliche Objekte wahrgenommen und wirken doch trotz Vertrautheit gleichzeitig fremd. Dabei scheinen weniger Effekte und Täuschungen, vielmehr die gesteigerte dingliche Präsenz des Gegenstandes diese Verfremdung hervorzurufen.“ (E. Walldorf 2003: 276). 


Es sind Alltagsobjekte, die uns in den Bildern Benno Walldorfs entgegentreten - Krüge, Flaschen, Kleiderständer, Messer, Gabeln, oder gar ein Schinken (den man sich so wortwörtlich an die Wand hängen konnte) und immer wieder Stühle. Benno Walldorf besaß selbst eine große Stuhlsammlung. Einige Exemplare und auch andere Möbelstücke (vgl. das gemalte Zimmer mit dem Titel „Made in Germany“) wurden farblich in Walldorfscher Manier gestaltet, in einem konzeptuellen Vexierspiel mit der Metaebene: nicht nur malte er Stühle, sondern bemalte sie auch. 


Die dargestellten Gegenstände ergeben zusammen mit dem Hintergrund eine in sich geschlossene Bildkomposition: „Aus der strengen Komposition von Farbflächen und Objekten treten Objekte und Hintergrund mal mehr, mal weniger deutlich hervor.“  (E. Walldorf 2003: 282).

Fast schon ein Erkennungszeichen der Walldorfschen Bilder ist das Schachbrettmuster: „Das Motiv des Karo- bzw. Schachbrettmusters, das räumliche Tiefe suggeriert, aber auch Fläche gestalten kann, tritt als Konstante in der Bilderwelt Walldorfs auf. Der Künstler selbst äußerte einmal dazu: ‚Was nun das Schachbrett-Karomuster betrifft, das einmal als Plattform für einen Raum oder Stilleben, oder auch als Muster an Dingen fast immer auftritt, so war es als Kind für mich das erste faßbare und später dann noch erinnerungsstärkste Ornament überhaupt […]. 




 

Einführung in Walldorfs grafisches Werk (Dr. Ulrich Seelbach)

Einführungsvortrag anlässlich der Ausstellung "Schachbrett, Stuhl und Elefant. Benno Walldorf. Das graphische Werk", Februar/März 2026 in Gießen, Kongresshalle KiZ

Benno Walldorf-Ausstellung, Vernissage, Gießen 2026

.... (Auszug)
 Die Benno-Walldorf Arbeits- und Forschungsgruppe zeigt Ihnen hier in den Ausstellungsräumen die Grafik Walldorfs – jene Arbeiten auf Papier, die in einer Auflage von 30 bis 300 Exemplaren in der Zeit von 1968 bis 1980 vom Künstler 
entworfen und eigenhändig hergestellt wurden. 
Die farbigen Blätter sind im Siebdruckverfahren angefertigt worden. Daneben finden sich nur wenige Papierarbeiten, die mit anderen Drucktechniken erstellt wurden. Thomas Bayrle führte 1967 eine Gruppe von Kollegen (darunter Benno Walldorf) in die Finessen des Lithographierens ein. Die Werkstatt für Lithographie war für die Künstler im Berufsverband Bildender Künstler im 
Karmeliterkloster in Frankfurt am Main zugänglich. 

Sie können Walldorfs Lithografie „Krug und Birne“ in der Ausstellung sehen – doch hat das Ergebnis 
Benno Walldorf wohl nicht zufriedengestellt. Es gibt keine weitere Grafik, die mit diesem Verfahren hergestellt wurde. Etwas zahlreicher sind mit drei 
Blättern die Radierungen. Bei der großformatigen Radierung mit dem barocken Titel „Wer Whisky hat, braucht für den Sport nicht zu sorgen“ verwendete 
Walldorf auch ein Tiefdruckklischee der Werbung für eine noch heute gängige Scotch-Marke, die mit Rotdruck in ein in Graustufen gehaltenes Interieur 
hineingesetzt wurde. 
 

Noch bevor Walldorf die ihm gemäße Reproduktionstechnik herausfand, experimentierte er mit dem Linolschnitt und schuf eine kleine Serie von Stuhlmotiven in dieser dem Holzschnitt verwandten Technik. Sie tragen die Titel: „Geburt des Stuhls“, „Feuerstuhl“ und „Hochzeit des Stuhls“ (Das Paar). Leider kennen wir diese (wohl frühen) Grafiken im Linolschnitt bislang nur dem 
Titel nach aus Ausstellungskatalogen. 
Walldorf entdeckte den Siebdruck für sich 1967, nur wenige Jahre (sechs) nachdem der im gleichen Jahr 1928 geborene Andy Warhol (1928-1987) das  

Potential der Farbserigrafie entdeckte. Die in der Textilbranche schon länger bekannte Drucktechnik entlehnte Warhol für die Herstellung von seriellen 
Drucken auf Leinwand und Papier. 

Dr. Ulrich Seelbach beim Eröffnungsvortrag 5.2.2026


Im Unterschied zu Warhol arbeitete Walldorf nicht mit fotografischen Vorlagen, gestaltete keine Porträts, und hatte auch keine Factory, die ihn bei der Produktion der Blätter unterstützte. Er machte alles selbst. Gegenüber den 20000 Exemplaren Warhols nimmt sich das Oeuvre Walldorfs etwas bescheidener aus: Bei einer Auflage von im Schnitt 80 bis 90 Exemplaren pro Grafik kommt man auf 4000 bis 4500 Exemplare Walldorfscher Serigrafien.
....
Die Einordnung seines grafischen Werks unter dem Rubrum einer bestimmten Kunstrichtung ist den Kritikern schwergefallen. Als ein Vertreter des Magischen Realismus wurde er gelegentlich und wiederholt ekttiketiert. Schaut man sich das Panorama der Bilder Walldorfs an, enthalten einige seiner Werke phantastische Szenen oder Traumwelten. Seine Luftschiffe transportieren Hochseedampfer, aus Holzresten gezimmerte Flugzeuge durchziehen den blauen Himmel, Elefanten laufen Rollschuh, schweben an Fallschirmen herab oder mutieren zu selbständigen Zirkusartisten; Dromedare und Kamele, ja 
selbst Schildkröten folgen ihrem Beispiel. Dies mag man dem magischen 
Realismus subsummieren. In seinen Grafiken werfen die Gegenstände meist keine Schatten, die Bilder sind in kräftiigen, leuchtenden Farben gehalten und 
erinnern in ihrer Ausschnitthaftigkeit an Comic-Strips oder die schlichten Anfänge virtueller Computerwelten. Man könnte Walldorf daher auch der Pop-Art zuordnen. Ihr Zeitgenosse war er ja ohnehin. Oder um es mit Petra Heller auf eine Formel zu bringen: Walldorf betreibe „Pop-Art plus Surrealismus.“ Christa von Helmolt nannte ihn den „malerischen Trapezkünstler vom 
Wanderzirkus ‚Schach und Leben‘“ (FAZ 10.12.1978).

Bilder und Grafiken von Benno Walldorf Auswahl

Bilder aus Privatsammlungen © VG-Bildkunst Bonn

"Das Wartezimmer"

"Stillleben mit blauem Pferd"

"Der Notar"

Bild © Benno Walldorf  |VG Bild-Kunst, "Stillleben nach Baugin" Ölbild

"Stilleben nach Baugin" 

Bild © Benno Walldorf |VG Bild-Kunst, Museum für Gießen, "Meine theoretische Erfindung der Windkunst"

Windkunst (Museum für Gießen)

Bild © Benno Walldorf  |VG Bild-Kunst, Bonn "Der Stuhl des Richters", Ölbild

Der Stuhl des Richters

Haus, Baum, Fluss

Obstkorb

"Grafikbänder" Uni Konstanz, 

"Zwei rote Stühle"

"Pistolenikone"

Grafik "Prince of Wales"

"Blumenstrauß"

Grafik "Ankunft"

"Goethe heute" Ölbild von Benno Walldorf, PrivatbesitzBild

"Goethe heute"

"Stilleben mit Banjo"

Wandgemälde

Benno Walldrof: Bemalt enIschen des Westbads in Gießen


  • Hauptverwaltungsgebäude der IG Chemie-Papier-Keramik in Hannover, 1967. Mittlerweile zerstört.
  • B-Ebene der U-Bahnstation Hauptwache in Frankfurt am Main. Nicht realisiert. Der Entwurf war in der Weihnachtsausstellung der Bundesbank (BBK) 1970 zu sehen.
  • Technisches Rathaus in Frankfurt am Main, September 1974, im öffentlichen Durchgang. Nach Abbruch des Gebäudes 2012/2013 wurden die Gemälde auf Initiative der Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei e.V. restauriert und zum großen Teil im 2. Untergeschoss des nahe gelegenen Parkhauses am Dom / Römer angebracht und 2018 eingeweiht.https://www.frankfurter-malerei.de/?p=1244. Sie sind bei einem Rundgang durch die Frankfurter Innenstadt gut zu erreichen
  • Robert-Schumann-Grundschule in Wiesbaden, 1975. “Die Wandbilder des Künstlers sind immer noch an der Wand. Wir finden Sie nach wie vor wertvoll, passend und außerdem zeitlos. Wir erfreuen uns täglich daran.” (Katharina Hattig, Schulleiterin, 27.11.2024).
  • Hallenbad West, Gießen, 1976. Die Gemälde wurden 2019 bei Renovierungsarbeiten durch Übermalung zerstört. Die Bilder konnten inzwischen wenigstens digital rekonstruiert werden (Axel Berger, Kiel). 
  • Fernmeldezentrum in Hanau (erbaut 1976), 1978. Status unbekannt.
  • Katholische Hauptschule in Bitburg/Eifel. Heute Sankt Matthias Schule. Kooperative Gesamtschule. Die Wandbilder sind erhalten. https://st-matthias.de/2024/11/besuch-buergermeisterin/





  • Universität Konstanz, Philosophische Fakultät, Universitätsbibliothek. Größtenteils erhalten.
  • Deutsche Bank, Filiale Bad Homburg. Status unbekannt.
  • Humboldt-Schule, Bad Homburg. Status unbekannt.
  • Friedrich-Ebert Schule Wiesbaden, Die Wandgemälde wurden auf Bildträger übertragen und in den Neubau integriert. Einweihung am 29. September 2024 im Beisein von Esther Walldorf.



Wandmalereien Benno Walldorf Frankfurt Römer Parkhaus
Gießener Anzeiger: Benno Walldorf  02.04.2019
Gießener Allgemeine Walldorf-Kunst im Westbad zerstört  05.08.2019
Universität Konstanz Wandgemälde Campus Benno Walldorf
Katholische Hauptschule in Bitburg


Digitale Rekonstruktion der sieben übermalten Wandbilder im Hallenbad West in Gießen
von Axel Berger als  Video auf YouTube
https://www.youtube.com/watch?v=eFo6Hv7a7m8


Wandbilder von Benno Walldorf im Westbad Gießen - 

2019 durch SWG übermalt - hier digitale Rekonstruktion

(Axel Berger, Kiel)

Wandbild Westbad,   Original-Dia 1976   

Nische 1 

 Nische 2 

 Nische 3 

 Nische 4 

 Nische 5 

 Nische 6 

 Nische 7 

Einweihung der vier Wandbilder (Benno Walldorf):            Robert-Schumann-Grundschule Wiesbaden, 

Einweihung am 8.3.1975 (Scans März 2026 von wiederentdeckten Dias)  

Wandbild Benno Walldorf, Robert-Schumann-Grundschule Wiesbaden
Wandbild Benno Walldorf, Robert-Schumann-Grundschule Wiesbaden
Wandbild Benno Walldorf, Robert-Schumann-Grundschule Wiesbaden, im Bild Benno Walldorf

  Wandbilder von Benno Walldorf in der Universität Konstanz 


"1973 bemalte Benno Walldorf die Decke und die Wand des Treppenaufgangs im zentralen Hörsaalgebäude der Universität Konstanz. Heute ist nur noch die großflächige Deckenbemalung zu sehen, die von den Fensterschächten umrahmt wird. Walldorfs Malerei prägen geometrische Figuren und gegenständliche Motive, die surrealistisch anmuten und in ihrem Zusammenspiel an Comics erinnern: Eine Schnecke, eine Gürtelschnalle und ein Bleistift schweben neben einer Wolke und treffen auf lineare Formen, Kreise und Bänder, die sich miteinander verschlingen. Intensive Farbigkeit und ein naiver, aber klarer Stil betonen neben der willkürlichen Anordnung der Motive die schiefen Schrägen der Architektur. Eine besonders gute Perspektive bietet die oberste Etage A7."  (Universität Konstanz, Kunst am Bau)

Foto: J. Chillion/ Benno Walldorf: Wandgemälde Uni Konstanz 1973


Campus Süd

Foto: J. Chillion/ Benno Walldorf: Wandgemälde Uni Konstanz 1973

 

 Fotos 1-3 von Jesus Chillon, Fotos 4-6 von Benno Walldorf  (Dias)

Foto: J. Chillion/ Benno Walldorf: Wandgemälde Uni Konstanz 1973


Universität Konstanz


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