Lebensweg


 

Rolf Ludwig (Benno) Walldorf mit Mutter Else und Schwiegermutter Käthe? © Foto privat 

 

mit Mutter Else und Halbschwester Ursula Bernard, 
Rolf benannte sich fortan nach dem kleinen Hund Benno. 

 
Benno Walldorf 1952  

   © Foto privat 

Kindheit und Jugend in Gießen

Geboren wurde Benno Walldorf am 26. April 1928, wohl in der Hammstraße 2, in Gießen, in eine Händler- und Schaustellerfamilie hinein; die Taufnamen waren Rolf Ludwig. Der Urgroßvater Isaak Walldorf gilt gemeinhin als der Begründer der Gießener Frühjahrsmesse. Noch im Jahr von Bennos Geburt starb sein Vater, Kurt Walldorf (1905-1928), mit gerade einmal 23 Jahren. Bennos Mutter, Else Walldorf, heiratete später Wilhelm „Willy“ Bernard, der einer Artistenfamilie angehörte; seine Brüder waren Hochseilartisten. 1933 kam dann seine Halbschwester Ursula auf die Welt. 

Diese erinnert sich, wie es in der warmen Jahreszeit mit dem Wohnwagen auf Reisen ging, nämlich zu verschiedenen Messen und Volksfesten, und die Kinder jeweils an verschiedenen Orten die Schule besuchten. Bennos Stiefvater Willy Bernard hatte ein Kinderkarussell, sein „Ein und Alles“. Schließlich veränderte er sich beruflich und ging in die Gastronomie, erst mit einem Fischstand, dann, in den 1960er Jahren, mit einem größeren Fischrestaurant, beides in der Neuen Bäue in Gießen. Letzteres spielte tatsächlich auch im kulturellen Leben Gießens eine große Rolle, nicht nur wegen der hervorragenden, selbst gemixten Schaschliksoße (das „Sößche“), sondern auch, weil hier unter anderem die Lahn-River-Jazzband auftrat, die bei Bernards großzügig verköstigt wurde – so erzählt uns Peter Turczak, langjähriges Bandmitglied – und in der, anfangs zumindest, auch Harry Weber, Ursulas Mann und somit Bennos Schwager, das Kornett spielte.

Aufgrund der Kriegsgeschehnisse wurde die Familie Bernard nach Lindenstruth evakuiert. Rolf, genannt Benno (nach dem Hund der befreundeten Artistenfamilie Störzenbach), mit dem er sich gerne abgab, absolvierte die Städtische Handelslehranstalt und Wirtschaftsoberschule (Adressbuch 1939: Städtische Kaufmännische Berufsschule), die er mit der Mittleren Reife abschloss. 1944 machte er eine Lehre in der Baufirma Rinn in Heuchelheim, wo er bis 1947 auch angestellt war.

Noch während des Krieges begann er sich, für Jazz zu interessieren. Davon berichtet sein Freund und Schulkamerad Helmuth Hardt (vgl. R. Humphrey, D. Dedner, M. Pagenkemper, R. Haaser, Hg., Als Amerika nach Gießen kam. Gießener und amerikanische Zeitzeugen schildern die Nachkriegsjahre, Gießen, Gießener Allgemeine Buchverlag, 1997), der auch auf die Rolle des Musikhauses Busch in der Neustadt hinweist, wo unter der Hand verbotene Schallplatten verkauft wurden. 

Entscheidend dafür, dass Benno zum Jazz fand, war jedoch die Begegnung mit Paul Martin. Dieser, ein Jahr älter als Benno und in Gießen unter der Jugend aufgrund seiner Talente und seines Charismas geradezu verehrt, spielte einerseits klassische Violine im Jugend-Bannorchester der Hitlerjungend, andererseits hörte und spielte er heimlich „Swing“, also Jazz (den man damals gern noch deutsch aussprach) und wandte sich später dem Saxophon zu. 







Während eines Fliegeralarms lernten sich Benno und Paul Martin im sog. Felsenkeller in der Bahnhofstraße kennen, der als Luftschutzbunker diente. Hier schwärmte Paul Martin Benno von dem Musiker Johnny Hodges vor. Später entstand in Erinnerung an diese Begegnung das Stück „Felsenkeller-Blues“, für das beide Freunde als Komponisten zeichnen. 

Aufbruch in der Nachkriegszeit 

Das Kriegsende, das für Benno Walldorf, der gerade siebzehn Jahre alt geworden war, genau im rechten Moment kam (er entging knapp der Einberufung zum Volkssturm) – bedeutete für ihn vor allem eines: persönliche und künstlerische Freiheit. Er richtete sich im elterlichen Haus im Wißmarer Weg das Dachgeschoss ein, wo er anfing zu malen und Saxophon zu spielen. Geld verdiente er im amerikanischen Depot und mit seinen Aufritten in den Clubs der GIs, im Woodland und im Alpine Club, aber auch im Hotel Prinz Karl und im Schipkapass


1956, also mit 28 Jahren, zog Benno Walldorf nach Frankfurt. Er war hier bereits gut vernetzt und so fielen die lästigen Bahnfahrten fort. Allerdings behielt er engen Kontakt zur Familie in Gießen und zur dortigen Kunst- und Musikszene. Bekannt sind seine Jam-Sessions zu später Stunde mit der Lahn-River-Jazz-Band (vgl. das Interview mit Peter Turczak). 

In Frankfurt eröffnete er in der Altstadt, in der Alten Gasse, einen wohlsortierten Plattenladen (mit Jazz und Weltmusik im Angebot) und integrierte sich mit seiner Benno Walldorf Jazz Combo nahtlos in die dortige Jazz-Szene. Seine „Galerie Benno Walldorf“ im Kellergeschoss existierte von 1959 bis 1962; die Ausstellungen wurden in der Frankfurter Allgemeinen rezensiert. 


Etablierung in Bad Homburg 

Der Umzug nach Bad Homburg erfolgte 1962. In dieses Jahr fällt bereits eine Kunstausstellung im dortigen Kurhaus zusammen mit Hans Kurtz. Benno Walldorf genoss mittlerweile überregionale Aufmerksamkeit und erhielt viele Aufträge für Wandgemälde. In Bad Homburg erwarb er schließlich ein großes Haus, die Villa Delphin, und eröffnete dort die Galerie Elefant. Und vor allem: er gründete eine Familie. Benno und Helga Walldorf bekamen zwei Töchter, die ganze Familie brachte sich in die Galerie ein, die ihren Namen nach dem Lieblingsplüschtier des ältesten Töchterchens hatte.

Hervorzuhaben sind auch die sieben Wandbilder in Benno Walldorfs Heimatstadt Gießen im Hallenbad in der Weststadt.  Dass die Gemälde 2019 unwiederbringlich zerstört wurden, ist ein Unglück. Daneben machte er weiterhin Musik, unternahm Reisen nach Rhodos und nach Israel, nach Italien und Spanien und immer wieder Föhr. Unsere Arbeits- und Forschungsgruppe hat ein allerdings vorläufiges Werksverzeichnis angelegt.
Im Juni 1985 wurde Benno Walldorf aus dem Leben gerissen, Familie und viele, viele Freunde und Bewunderer blieben erschüttert zurück.


 


 






Zeitzeugen und Zeitzeuginnen Benno Walldorfs

Siehe Menüpunkt "Erinnerungen"